Über uns
Das Reallabor Waldviertel ist ein offener Raum für die regionale Energiewende.
Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Gemeinden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen entwickeln wir neue Wege, wie nachhaltige Energieversorgung, regionale Wertschöpfung und Lebensqualität Hand in Hand gehen können.
Unser Konzept
Das Gesamtkonzept des Reallabors Waldviertel steht im Zeichen der Symbiose von Forschung und Anwendung. Wir entwickeln als Schnittstelle bedürfnisorientierte Lösungen, die in konkrete Produkte und Services umgewandelt werden, um eine nachhaltige Energiezukunft zu fördern.
Durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften und Industriepartnern entstehen Innovationen, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch vorteilhaft sind. Unsere Kernbereiche umfassen die Erweiterung erneuerbarer Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz und die intensive Einbindung der Gemeinschaft in den Energiewandel.
© Reallabor Waldviertel
Die F&E-Aktivitäten des Reallabors folgen einer klaren Wirkungskette:
- Industrielle Forschung entwickelt Konzepte
- Experimentelle Entwicklung bringt Co-Creationen hervor
- Das Reallabor prüft und testet Lösungen in der Praxis
- Daraus entstehen Produkte & Services für Nutzer:innen, Unternehmen und Stakeholder
Als Schnittstelle zwischen Anwendung und Forschung entwickelt das Reallabor bedürfnisorientiert konkrete Lösungen, die in marktfähige Angebote überführt werden. Diese Wirkungskette fördert den regionalen Wissens- und Kompetenzaufbau, reduziert Redundanzen und sorgt für effiziente Ressourcennutzung.
Durch diese enge Verzahnung von Umsetzung und Forschung wird das Waldviertel zu einer Pilotregion für angewandte Energiewende-Forschung. Kurzfristig entstehen handlungsleitende Erkenntnisse für Gemeinden, Betriebe und Netzbetreiber. Mittelfristig wird eine Projektlandschaft aufgebaut, die das Energiesystem resilienter und nachhaltiger macht. Langfristig positioniert sich das Waldviertel als Modellregion, deren Ansätze europaweit übertragbar sind.
Unsere Vision bis 2035
„Das Waldviertel versorgt sich im Jahr 2035 vollständig selbst mit erneuerbarer Energie – sicher, sozial gerecht, regional verankert und gemeinschaftlich getragen.“
Die Energieversorgung ist dezentral, netzdienlich und sektorgekoppelt organisiert. Strom, Wärme und Mobilität basieren auf regionalen Quellen. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Gemeinden profitieren durch Mitgestaltung, Teilhabe und regionale Wertschöpfung.
In der untenstehenden Backcasting Vision finden Sie Details dazu, wie wir an der Zukunft des Waldviertels arbeiten.
Auch im Video erfahren Sie mehr:
Unsere Forschungsfelder
Entwicklung und Erprobung von Lastmanagement, Speichern und steuerbaren Lasten.
Erforschung und Testen unterschiedlicher Organisations- und Abrechnungsmodelle (EEG, BEG, gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen, Strom-Wärme-Energiegemeinschaften).
Integration von Strom, Wärme und Mobilität, z. B. Power-to-Heat, Vehicle-to-Grid, dynamische Biomasse-KWK.
Aufbau von Simulationsmodellen für Gemeinden und Netzbetreiber.
Messung nicht nur technischer, sondern auch sozialer und ökonomischer Wirkungen.
Unsere Meilensteine
Phase 1
Jetzt aktiv
1.10.2025 – 30.09.2029
Betrieb und Weiterentwicklung des Reallabors
- Operativer Betrieb der Testbeds, Monitoring und Auswertung
- Weiterentwicklung Infrastruktur und Projektlandschaft
- (Weiter-)Entwicklung neuer Angebote und Dienstleistungen
Phase 2
Beendet
1.10.2024 – 30.09.2025
Abschließen des Testbetriebs
Alle Vorbereitungen wurden abgeschlossen, die Arbeitspakete mit vorbereitenden Maßnahmen beendet. Nach internem Review konnte beschlossen werden, dass die Aktivitäten des Reallabor Waldviertels in die Realisierungsphase überführt werden.
Phase 3
Beendet
1.9.2025-1.10.2025
Energie – Leitbild für die Region entwickelt
Aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem Vorprojekt sowie inspiriert von der gemeinsamen entwickelten Vision 2035 strebt die Region an, ihren Energiebedarf bis 2035 aus erneuerbaren Quellen zu decken.
Das Energieleitbild bildet den strategischen Orientierungsrahmen für diesen Wandel. Es wird sichergestellt dass technologische, organisatiorische und soziale Innovationen gemeinsam mit regionalen Akteuren erprobt und in die regionale Umsetzung einfließen. Ergebnisse daraus finden Sie in den unten stehenden Ausführungen zu unserer Vision.
Wir schreiben das Jahr 2035 …
Das Waldviertel, reale Möglichkeiten: Stellen Sie sich vor, wir schreiben das Jahr 2035: Das Waldviertel versorgt sich vollständig mit erneuerbarer Energie – sicher, regional und gemeinschaftlich getragen – und von diesem Zukunftsbild aus arbeiten wir uns Schritt für Schritt zurück, um den Weg dorthin zu gestalten. Die folgenden Punkte beschreiben, wie wir dies erreichen wollen:
1. Ziel erreicht: 100% erneuerbare Energie
Im Jahr 2035 ist das Ziel erreicht: Das Waldviertel deckt seinen gesamten Energiebedarf zu 100% aus erneuerbaren, regionalen Quellen. Der Klimawandel ist spürbar – die Schäden in den Wäldern zeigen, dass die Anpassung an den Klimawandel und die damit verbundene Resilienz unverzichtbar sind. Heute nutzt die Region ihre natürlichen Ressourcen klug, nachhaltig und gemeinschaftlich — für Strom, Wärme und Mobilität.
2. Neue Landschaftselemente und Infrastruktur
Die Landschaft hat sich sichtbar verändert: Gebäude ohne Photovoltaik sind die Ausnahme, Freiflächen werden doppelt genutzt – Solarstromerzeugung, Lebensmittelproduktion und Biodiversität schließen sich nicht aus. Windräder speisen Strom ins Netz, deren hohe Akzeptanz ein Ergebnis transparenter Kommunikation und vermehrter gemeinschaftlicher Nutzung ist.
Tankstellen für fossile Kraftstoffe sind weitgehend verschwunden – übrig geblieben sind nur wenige Standorte mit Spezialfunktionen. Stattdessen gibt es flächendeckend Ladehubs, die als auch Nahversorger und soziale Treffpunkte dienen. Öltanks, Gasanschlüsse und fossile Heizkessel sind Geschichte. LKWs, die Heizöl liefern, fahren nicht mehr durchs Land. Der Import fossiler Brennstoffe ist überflüssig geworden – Energie- und Wärmeversorgung bleiben, wie auch die Wertschöpfung, regional.
3. Gesellschaftlicher Wandel und Beteiligung
Die hohe Akzeptanz ist kein Zufall: Von Anfang an wurden die Menschen mitgestaltend einbezogen. In offenen, ergebnisoffenen Beteiligungsformaten konnten Bürger:innen ihre Wünsche, Bedenken und Ideen einbringen — ob bei Dorfgesprächen, Online-Beteiligungen oder Info-Workshops. Denn nur wenn die Bevölkerung hinter der Energiewende steht, können auch politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen diese mutig vorantreiben. So wuchs gegenseitiges Vertrauen.
4. Neue Rollen und Strukturen: Das Reallabor
Technische Innovation allein reicht nicht: Um kleine oder größere Probleme rasch zu lösen — sei es ein Problem mit dem Energiemanagement, Fragen zu Abrechnungen oder Konflikte in Energiegemeinschaften — braucht es neutrale Anlaufstellen. Diese Funktion liegt heute beim Reallabor Waldviertel. Es moderiert, unterstützt bei technischen Fragen, vermittelt und stellt bei alldem Verständlichkeit sicher, sodass alle Beteiligten profitieren können.
5. Wertschöpfung und regionale Wirtschaft
Die regionalen Betriebe haben die Chance erkannt, gemeinsam durch Planung, Aufbau und Wartung der Anlagen an der Energiewende mitgewirkt und damit die Wertschöpfung in die Region zurückgeholt. Das schafft Arbeitsplätze, stärkt regionale Strukturen — ein entscheidender Erfolgsfaktor für die EE.
6. Energie in Bürgerhand
Die Energie wird regional – und wo möglich – gemeinschaftlich erzeugt und verbraucht. Unterschiedliche Beteiligungs- und Geschäftsmodelle stellen sicher, dass es für jede/n die Möglichkeit gibt sich zu beteiligen: Energiegemeinschaften, Nahwärmegenossenschaften und Nachbarschaftslösungen sind wichtige Bestandteile einer nachhaltigen, regionalen Energieversorgung.
7. Über die Region hinaus: Beitrag zum großen Ganzen
Die Region versorgt sich zu 100 % selbst mit erneuerbarer Energie. Nach Jahren der Unsicherheit und schwankenden Strompreisen gibt es heute keine Abhängigkeit mehr von internationalen Energiemärkten, was auch planbaren Energiepreise bedeutet. Darüber hinaus leistet das Waldviertel als Energieexportregion einen wichtigen Beitrag zur Versorgung urbaner Räume mit erneuerbarer Energie – ein doppelter Gewinn für das Land: durch Wertschöpfung und durch Standortattraktivität.
8. Wissen als Schlüssel zur Energiewende
Wissen ist ein Schlüsselfaktor: Informationsangebote und Schulungen sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und sind barrierefrei. Die Bedürfnisse verschiedener Personen(gruppen) in unterschiedlichen Lebenslagen wurden explizit einbezogen, um Technik einfach und zugänglich zu machen. Erkenntnisse aus Co-Creativen Prozessen flossen in Forschungsprojekte ein, um (Wissens)Lücken zu schließen.
9. Technologische Lösungen und Systemintegration
Technisch sichert ein Mix an Lösungen die Erreichung von 100% erneuerbaren Energieträgern: Überschüsse aus PV und Wind werden nicht abgeregelt, sondern gespeichert: Haushalte, Batteriespeicher, E-Fahrzeuge und thermische Speicher sind Teil eines vernetzten Systems. Dieser Schwarmspeicher gleicht Lastschwankungen aus. Dadurch ist Elektromobilität kein Fremdkörper, sondern ein integraler Bestandteil der Waldviertler Energiewende. E-Fahrzeuge dienen als Speicher und können bei Bedarf Strom zurückspeisen. Das spart Netzausbaukosten und CO₂.
Biomasse wird als saisonaler Speicher genutzt: Im Winter sichert sie Grundlast, im Sommer werden Überschüsse effizient umgewandelt. KWK-Anlagen arbeiten heute dynamisch und liefern bedarfsgerecht Strom und Wärme.
10. Netzstruktur und intelligente Steuerung
Wo möglich, versorgen Nah- und Nachbarschaftsnetze ganze Ortsteile. Wo das nicht machbar ist, kommen flexible Insellösungen zum Einsatz: Kleinstnetze, Hybridlösungen mit Wärmepumpen, Batteriespeicher und Abwärmenutzung.
Demand Side Management ist fest im Alltag verankert. Die Systeme laufen weitgehend automatisiert, können aber bei Bedarf individuell angepasst werden. Sie sind modular und einfach bedienbar. Spezialisierte regionale Firmen sichern Reparierbarkeit und Aktualität und schaffen Vertrauen durch kurze Distanzen, Erreichbarkeit, persönlichen Kontakt und Kompetenz.
11. Wirtschaftliche Effekte und Fairness
Der Netzausbau konnte durch den gezielten Einsatz von Flexibilitäten, Speichern und dezentralen Steuerungen so optimiert werden, dass hohe volkswirtschaftliche Kosten vermieden wurden. Da fossile Energien weitgehend ersetzt sind, fallen nur noch geringe CO₂- Abgaben an – Haushalte und Betriebe werden dadurch entlastet. Viele profitieren zusätzlich durch Beteiligungen an Energiegemeinschaften oder durch die intelligente Nutzung eigener Anlagen, etwa Photovoltaik und Speicherlösungen.
Anstelle breit gestreuter Förderungen spielen heute gezielte Investitionshilfen, faire Marktmechanismen und regionale Wertschöpfungsketten eine zentrale Rolle. Renovierungen und Effizienzmaßnahmen werden verstärkt durch gemeinschaftliche Modelle, günstige Finanzierungsangebote und regionale Kooperationen getragen. So bleibt die Energiewende auch unter begrenzten öffentlichen Budgets sozial ausgewogen und wirtschaftlich tragfähig.