Direkt zum Inhalt

Netzentgelte – was Haushalte jetzt schon wissen sollten

Künftig zählt bei den Netzkosten auch, wie viel Strom Sie gleichzeitig beziehen. Für Haushalte (Netzebene 7) wird jedes Kilowatt über 10 kW doppelt so teuer. Die Kacheln erklären die Regeln und rechnen typische Fälle durch.

Stand · Wählen Sie eine Kachel für Details

Themenblock 1

Was ändert sich, warum, und ab wann?

Grundlage ist die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V) der E-Control, kundgemacht am 12. Oktober 2026.

Themenblock 2

Rechenbeispiele

Was der Leistungspreis für unterschiedliche Haushalte bedeutet, gerechnet mit den Modellwerten der E-Control für die Endstufe.

So ist gerechnet: nur Netznutzungsentgelt (Arbeitspreis, Leistungspreis bzw. heute Pauschale und Messentgelt), Modellwerte der E-Control für die Endstufe, ohne Umsatzsteuer, Netzverlustentgelt und Abgaben. Angenommen ist jeden Monat dieselbe Spitze. Die verbindlichen Beträge für die Netz NÖ legt erst die Tarifverordnung fest; zum Einstieg liegen sie voraussichtlich deutlich niedriger (15–26 € je kW und Jahr).

Ihre Monatsspitze im Griff behalten

Im Reallabor Waldviertel testen Haushalte, wie Energie-Management Lastspitzen senkt. Machen Sie mit – kostenlos und begleitet von Fachleuten.

Jetzt als Testperson mitmachen
Leistungspreis

Was ändert sich?

Das Netznutzungsentgelt besteht künftig aus zwei Teilen: einem Arbeitspreis je verbrauchter Kilowattstunde und einem Leistungspreis je Kilowatt der höchsten Monatsleistung.

Das 2-Stufen-Modell für Haushalte

Leistung pro MonatLeistungspreis*Bedeutung
bis 10 kW33,82 €/kW·JahrBasistarif für übliche Haushaltsleistungen
über 10 kW67,64 €/kW·Jahrdoppelter Preis, nur für den Teil über 10 kW

* Modellwerte der E-Control für die Endstufe (ca. 2,82 bzw. 5,64 € pro kW und Monat). Verbindlich wird erst die Tarifverordnung; zum Einstieg 15–26 € je kW und Jahr, je nach Netzbereich.

Nur der Bezug aus dem Netz zählt. Einspeisung aus einer PV-Anlage löst keinen Leistungspreis aus.

Hintergrund

Warum die Reform?

Leitungen und Trafos müssen so stark sein, dass sie die höchste gleichzeitige Last tragen. Mit E-Autos, Wärmepumpen und Batteriespeichern steigen diese Spitzen. Bisher hing die Rechnung aber fast nur an der Strommenge.

Was die Umstellung bewirken soll

  • Wer hohe Spitzen verursacht, trägt einen größeren Teil der Netzkosten.
  • Wer Großverbraucher zeitlich verteilt, zahlt weniger.
  • Gleichmäßige Nutzung entlastet das Netz und dämpft den Ausbaubedarf.

Was sich nicht ändert

Die Umstellung ist erlösneutral: Die Netzbetreiber nehmen insgesamt nicht mehr ein. Die Kosten werden nur anders verteilt. Der Leistungsanteil steigt schrittweise, zum Start auf rund 40 %, langfristig auf 50 %.

Rechtsgrundlage: § 135 Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG, BGBl. I Nr. 91/2025) und SNE-G-V (BGBl. II Nr. 299/2026).

Zeitplan

Wann gilt was?

  • 12.10.2026SNE-G-V kundgemacht
  • 11.11.2026Netzbetreiber melden der E-Control, wann sie auf Netzebene 7 umstellen können
  • Dez. 2026Tarifverordnung mit den konkreten Beträgen erwartet
  • 01.01.2027Verordnung gilt. Übergang: einheitlicher Preis je kW für Haushalte mit gemessener Leistung, Pauschale je Zählpunkt ohne Messung
  • 01.10.2027Winter-Niedertarif (23–5 Uhr) startet; Netzbetreiber müssen die flexible Entnahme anbieten
  • bis 30.06.2028Umstellung je Netzbereich auf das 2-Stufen-Modell
  • 01.07.2028spätestens jetzt gilt der Leistungspreis in allen Netzbereichen
Netz NÖ: Der Umstellungstermin für Niederösterreich ist noch nicht veröffentlicht. Er folgt aus der Meldung der Netz NÖ an die E-Control.
Smart Meter

So wird gemessen

  • Höchste Viertelstunde: Abgerechnet wird die höchste gemittelte 15-Minuten-Leistung, die Ihr Smart Meter im Kalendermonat registriert.
  • Kurze Spitzen zählen kaum: Ein paar Sekunden mit hoher Leistung verschwinden im 15-Minuten-Mittel.
  • Jeden Monat neu: Mit jedem Kalendermonat beginnt die Messung bei null.
  • Mindestens 2 kW: Auch bei sehr geringem Bedarf werden 2 kW verrechnet.

Wann wird es kritisch?

Im 15-Minuten-Schnitt sind 10 kW schwer zu erreichen, solange Großverbraucher versetzt laufen. Kritisch ist die Gleichzeitigkeit:

  • E-Auto-Wallbox: typisch 11 kW, ungedrosselt allein schon über der Grenze
  • Wärmepumpe: bis 9 kW inkl. Heizstab
  • E-Herd: Anschlusswert 4–13 kW, eine Kochplatte zieht 1–2 kW
Tipp: Im Smart-Meter-Webportal der Netz NÖ sehen Sie schon jetzt Ihre viertelstündlichen Werte und damit Ihre Monatsspitze.
Rechnung

Was fällt weg, was wird billiger?

PostenheuteEndstufe (Modell)
Pauschale54,00 €/Jahrentfällt
Messentgelt28,80 €/Jahrentfällt
Arbeitspreis7,36 ct/kWh4,53 ct/kWh
Leistungspreis bis 10 kW–33,82 €/kW·Jahr
Leistungspreis über 10 kW–67,64 €/kW·Jahr

Modellwerte der E-Control (Beispielnetz). Die Werte für die Netz NÖ legt die Tarifverordnung fest.

Niedertarife

  • Sommer: 1. April bis 30. September, 10–16 Uhr (seit April 2026)
  • Winter: 1. Oktober bis 31. März, 23–5 Uhr (erstmals ab 1. Oktober 2027)

Voraussetzung sind Viertelstundenwerte vom Smart Meter. Die Rabatthöhe ab 2027 regelt die Tarifverordnung.

Sonderregeln

Bestandsschutz und flexible Entnahme

Bestandsschutz (§ 34)

Bestehende Anschlüsse auf Netzebene 7 behalten den höchsten von drei Werten als Anschlussleistung: 10 kW, die bisher vereinbarte Leistung oder den Mittelwert der zwei höchsten Monatsspitzen 2026. Eine Nachverrechnung gibt es nicht.

Flexible Entnahme (§ 10)

  • Gedacht für Wallbox, Wärmepumpe und Batteriespeicher
  • Der flexible Anteil beträgt mindestens 4 kW
  • Der Netzbetreiber darf ihn zweimal täglich für je zwei Stunden einschränken
  • Dafür werden voraussichtlich nur 25 % des regulären Leistungspreises verrechnet
  • Netzbetreiber müssen den Vertrag spätestens ab 1. Oktober 2027 auf Wunsch anbieten; Laufzeit grundsätzlich zehn Jahre

Bisherige unterbrechbare Tarife laufen bis Ende 2029.

Rechenbeispiel

Die Zwei-Stufen-Rechnung

AnteilkWPreispro Jahr
Stufe 11033,82 €338,20 €
Stufe 2267,64 €135,28 €
Leistungspreis12473,48 €

Zum Vergleich: Bei 10 kW Spitze wären es 338,20 €, bei 6 kW 202,92 €.

Rechenbeispiel

Wallbox: 11 kW oder 6 kW Spitze?

MonatsspitzeLeistungspreis pro Jahr
11 kW (Wallbox ungedrosselt)405,84 €
6 kW (gedrosselt, nicht parallel zum Herd)202,92 €
Ersparnis202,92 €

Die E-Control nennt als Beispiel eine Drosselung von 11 auf 4 kW: 40 kWh laden dann rund zehn statt gut dreieinhalb Stunden. Über Nacht ist das Auto trotzdem voll.

Rechenbeispiel

Kleiner Haushalt mit Mindestleistung

Postenpro Jahr
Leistungspreis für 2 kW (Mindestbemessung)67,64 €
entfallende Pauschale und Messentgelt−82,80 €
Saldo dieser Posten−15,16 €

Dazu kommt der niedrigere Arbeitspreis. Kleine Haushalte mit geringen Spitzen profitieren damit eher von der Umstellung.

Rechenbeispiel

Haushalt ohne E-Auto, 3.500 kWh

Postenheuteneu, 6 kWneu, 4 kW
Arbeitspreis 3.500 kWh257,60 €158,55 €158,55 €
Pauschale + Messentgelt82,80 €––
Leistungspreis–202,92 €135,28 €
Summe pro Jahr340,40 €361,47 €293,83 €

Die Strommenge ist gleich. Den Unterschied macht allein die Monatsspitze: Herd, Geschirrspüler und Waschmaschine nicht gleichzeitig laufen lassen.

Rechenbeispiel

Haushalt mit E-Auto, 6.000 kWh

Postenheuteungesteuert, 13 kWgesteuert, 7 kW
Arbeitspreis 6.000 kWh441,60 €271,80 €271,80 €
Pauschale + Messentgelt82,80 €––
Leistungspreis–541,12 €236,74 €
Summe pro Jahr524,40 €812,92 €508,54 €

Annahme: 3.500 kWh Haushalt plus 2.500 kWh für das E-Auto; ungesteuert lädt die Wallbox mit 11 kW, während 2 kW andere Geräte laufen.

Die E-Control kommt in ihrem Musterfall (7.000 kWh, 11 kW Wallbox) zu einem ähnlichen Bild: ungesteuert +21 % Netzentgelt, mit flexibler Entnahme −8,5 %.

Rechenbeispiel

Flexible Entnahme für die Wallbox

VarianteBerechnungpro Jahr
9 kW regulär9 × 33,82 €304,38 €
5 kW regulär5 × 33,82 €169,10 €
+ 4 kW flexibel (25 %)4 × 33,82 € × 0,2533,82 €
mit flexibler Entnahme202,92 €

Im Gegenzug darf der Netzbetreiber die Wallbox zweimal täglich für je zwei Stunden drosseln. Der Vertrag ist ab spätestens 1. Oktober 2027 erhältlich.

Annahme: 25 % des regulären Leistungspreises, wie von der E-Control angekündigt; die genaue Regel legt die Tarifverordnung fest.